RPA: Eine der vier Veränderungstechnologien im Energiesektor

Die Geschäftsmodelle der Energiebranche sind nicht zukunftsfähig. Die Digitalisierung muss mit Hochdruck voranschreiten. Das betont auch der Bundesverband der Energiewirtschaft. Die gute Nachricht: Aufgrund vieler Standardprozesse gibt es ein hohes Potenzial für RPA. So sieht die Beratung Ernst & Young Robotic Process Automation (RPA) auch als eine der vier digitalen Basistechnologie für den Energiesektor der Zukunft – neben Blockchain, Smart Metering und Internet of Things.

Die Energiewirtschaft durchläuft tiefgreifende Veränderungen. Die Energiewende, ein hoher Wettbewerbsdruck, wachsende Kundenanforderung und die Digitalisierung stellen bisherige Geschäftsmodelle in Frage. Es braucht neue Antworten und vor allem eine schnellere digitale Transformation.

„Die Energiewirtschaft durchläuft eine doppelte Transformation: Neben der Digitalisierung verändert die Energiewende die Grundlagen unserer bisherigen Wertschöpfung. Beide Entwicklungen greifen unmittelbar ineinander“, so Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (bdew). Die Integration von mehr als 1,5 Millionen größtenteils dezentralen Erzeugungsanlagen führe zu einer zunehmenden Komplexität, die nur mithilfe digitaler Systeme und einer hochmodernen Infrastruktur bewältigt werden könne, führt er in der Studie Digitalisierung aus Kundensicht des BDEW weiter aus.

Viele Standardprozesse machen den Energiesektor zum perfekten RPA-Kandidat

Die Digitalisierung, die Komplexität und der hohe Effizienzdruck sind damit die Treiber für die Automatisierung. Die zahlreichen standardisierten Prozessabläufe im Energiesektor bieten zudem die besten Voraussetzungen: Die RPA-Technologie fokussiert auf die Automatisierung wiederkehrender, regelbasierter Prozesse und übernimmt unter anderem Tätigkeiten wie die Datenbearbeitung, -prüfung und -extraktion, Formularausfüllung, Erstellen von Berichten und Reports, Bedienen von Systemen und das Bearbeiten einfacher Anfragen. Die Software-Roboter, die bei RPA dem Menschen solche monotonen Tätigkeiten abnehmen, arbeiten nicht nur schneller und rund um die Uhr, sondern auch viel genauer. Das reduziert Fehler, steigert die Qualität und die Compliance.

So urteilt auch die Beratung EY in ihrer Studie ´Das Veränderungspotenzial digitaler Technologien in der Energiebranche`: „Die Verbesserung der Prozesseffizienz, die Erreichung höherer Transparenz, die bessere Qualität, die höhere Bearbeitungsgeschwindigkeit und mehr bearbeitetes Volumen machen den Einsatz von Software-Robotern für Energieversorger und Stadtwerke besonders attraktiv.“ EY sieht RPA neben Blockchain, Smart Metering und Internet of Things sogar als eine der vier digitalen Basistechnologien, welche die Grundlage für neue Geschäftsfelder im Energiesektor bilden.

Nicht nur die energiewirtschaftlichen Kernprozesse bieten viel Automatisierungspotenzial – auch im Back- und Frontoffice gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für die Prozessautomatisierung.

So automatisierte zum Beispiel ein Stadtwerk in Bayern in nur wenigen Tagen Prozesse im Mahnwesen mit RPA von Servicetrace. Unter anderem überprüfen dort Software-Roboter, ob bei eingehenden Mahnungen eine entsprechende Rechnung vorliegt. Sollte diese fehlen, wird automatisch der Lieferant informiert und der Mahnprozess gestoppt. Das Ergebnis: Schnellere Rechnungs- und Mahnungsverarbeitung und deutlich reduzierte Mahnkosten.

Ausblick: Lohnende „Quick Wins“ und intelligente Lösungen bieten hohes Potenzial

Im Vergleich zu traditionellen IT-Lösungen kann RPA Energieversorgern und Stadtwerken dabei helfen, die digitale Transformation voranzutreiben und vor allem schnell und mit geringem Aufwand sehr gute Ergebnisse zu erzielen. RPA-Projekte amortisieren sich in der Regel innerhalb weniger Monate, manchmal schon in wenigen Wochen. Die oft einfache Bedienung der RPA-Lösungen führt dazu, dass diese von Mitarbeitern auch ohne IT-Kenntnisse angewendet – und akzeptiert – werden. Diese Befähigung hilft, die Automatisierung schnell in der Organisation zu verankern und damit gleichzeitig die Prozessoptimierung und -digitalisierung voranzubringen. Wichtig ist es allerdings, beim unternehmensweiten Rollout von RPA darauf zu achten, dass die Organisation die Technologie und deren Einsatz weiterhin zentral steuern und managen kann. Der Aufbau eines internen Kompetenzzentrums kann dabei helfen, Wissen zu bündeln und effektiv wie effizient einzusetzen.

Noch größere Hebel ergeben sich, wenn RPA mit anderen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Machine Learning kombiniert wird.

Prozessbeispiele aus dem Energie-Sektor, die sich für RPA eignen:

Kernprozesse:

  • Tarifanpassung und Tarifwechsel
  • Neukunden-Onboarding und Kündigungen
  • Schnelle Zähler-Übernahme durch automatische Kündigung bei anderen Anbietern
  • Verarbeitung von Zählerdaten und Abrechnungen
  • Bestellmanagement
  • Qualitätsmanagement

 

Backoffice-Prozesse:

  • Kandidaten- und Talent-Management
  • Stammdatenverwaltung
  • Zahlungsverkehr und Belegprüfung
  • Finanz-Risiko-Kontroll-Prozesse
  • Einkaufsprozesse wie procure-to-pay
  • Fehler-Identifizierung bei Kontenzuordnung
  • Prüfprozesse im Mahnwesen

 

Frontoffice-Prozesse:

  • Call-Center- und Kundenservice-Prozesse
  • Beantwortung von Standardanfragen
  • Inbox-Management (eingehende E-Mails auslesen und zuordnen

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