Interview | Business Process Management: Pflicht oder Kür für RPA?

Ein Interview mit Stefan Hessenbruch, Director Customer Success EMEA bei BPM-Spezialist iGrafx.

Warum ist das Thema Geschäftsprozessmanagement (BPM) für Robotic Process Automation (RPA) so wichtig?
Bei RPA werden Aufgaben und Geschäftsprozesse, die normalerweise von Menschen ausgeführt werden, durch Software-Roboter automatisiert – daher ist ein zugrundeliegendes Business Process Management (BPM) unerlässlich. Bevor Prozesse mittels RPA automatisiert werden, sollten diese in einem BPM-System zunächst erfasst und verwaltet werden. Je besser ein Geschäftsprozess dokumentiert und modelliert ist, desto erfolgreicher und effektiver ist dessen Automatisierung. BPM und RPA in Kombination bieten die perfekte Möglichkeit, die Gesamtheit aller Geschäftsprozesse end-to-end zu automatisieren, zu verwalten und schließlich das beste Ergebnis zu erzielen. Der iGrafx RPA Accelerator mit den RPA-Bots unseres Partners Servicetrace ist eine solche End-to-End-Lösung, mit der Unternehmen Projekte für die Robotic Process Automation identifizieren, bewerten, priorisieren, ausführen und steuern können.

Wovon profitieren Unternehmen, die BPM betreiben?

Stefan Hessenbruch | iGrafx speaking at Servicetrace Robotic Days 2019

Mithilfe von BPM können Unternehmen ihre Geschäftsprozesse digitalisieren, sprich modernisieren, und eine agile Arbeitsweise einführen. So können sie produktive Prozesse für das gesamte Unternehmen flexibel entwerfen, realisieren, optimieren und anschließend mit RPA automatisieren – und somit Geschäftsfunktionen auf Kundenbedürfnisse abstimmen. Richtig eingesetzt, wirkt BPM als Vorstufe der Automatisierung daher effizienz- und produktivitätssteigernd, Organisationen können damit Kosten senken, Fehler reduzieren und die Kundenzufriedenheit steigern.

Alle reden über RPA, was sind denn die aktuellen „Hot Topics“ im Bereich Business Process Management und wie geht iGrafx darauf ein?
Wer sich heute mit den Themen Prozessmanagement oder Geschäftsprozess-Optimierung beschäftigt, kommt an dem Begriff „Process Mining“ nicht vorbei. Mit der im iGrafx RPA Accelerator enthaltenen Komponente für Process Mining werden Geschäftsprozesse anhand digitaler Spuren in IT-Systemen analysiert und rekonstruiert. Die einzelnen Prozessschritte werden zusammengefügt, der Prozess wird visualisiert und ausgewertet. Das Process Mining ist somit eine innovative Methodik, Prozesswissen anhand dem menschlichen Verhalten am Computer abzuleiten und so Prozessabläufe aus dem gelebten Alltag heraus zu generieren.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die „Customer Journey“. Sogenannte „Customer Journey Maps“ helfen dabei, zu erkennen, wo der Kunde mit dem Unternehmen Berührungspunkt hat, ob diese Punkte positive oder negative Empfindung auslösen und wie solche Interaktionen verbessert werden können. Mit Business Process Management ist es möglich, diese Customer Journey, aber auch die dafür benötigten Systeme, Prozesse und Risiken zu modellieren und so die Kundenorientierung zu stärken und die Kundenerfahrung und -zufriedenheit zu verbessern. Natürlich lässt sich eine solche Journey auch für Mitarbeiter, Produkte, Partner, Zulieferer etc. abbilden.

Wie können sich große Konzerne, die bereits über ein ausgereiftes BPM verfügen, im Hinblick auf BPM und RPA noch verbessern?
Innovations- und Transformationsfähigkeit werden angesichts der extremen Marktentwicklungen und der verschärften Wettbewerbssituation immer wichtiger. Ein ausgefeiltes BPM-Konzept und die Prozessautomatisierung als Hauptinitiative helfen Unternehmen, durch Optimierung und Innovation geschäftlichen Mehrwert und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Richtig eingesetzt, kann die Automatisierung die Betriebseffektivität und -effizienz signifikant steigern und gleichzeitig die digitale Transformation sowie die Kundenzufriedenheit vorantreiben. Der erste Schritt in diese Richtung und für ein erfolgreiches RPA-Vorhaben sollte zunächst die Priorisierung der passenden Projekte sein.

Unsere Erfahrung zeigt allerdings, dass selbst in großen Konzernen selten ein wirklich zentrales end-to-end Prozessmanagement etabliert ist. Die Voraussetzung für wettbewerbsfähige Prozesse ist zunächst die ganzheitliche Implementierung eines BPM, die Etablierung eines systematischen und kontinuierlichen Verbesserungsprozesses sowie natürlich die Verankerung der Prozesskultur in der Organisation.

iGrafx ist führender Anbieter von Software im Bereich Business Process Management (BPM) und Digitale Business Transformation und ein Partner von Servicetrace.

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